Dienstag, 14. Mai 2013

Crowdfunding in China




Guest post from China Radio International

Eine gute Idee allein garantiert auch in China noch nicht automatisch geschäftlichen Erfolg. Besonders dann nicht, wenn das Startkapital fehlt.

Das wusste auch Jia Yuhao, der Besitzer eines kleinen Gästehauses in Lhasa, der Hauptstadt des Autonomen Gebietes Tibet. Er brauchte dringend neues Mobiliar, zur Finanzierung wandte er sich im vergangenen Jahr an das in China populäre Portal demohour.com.

Zwei Monate später hatte er 146.000 Yuan zusammen, gespendet von 3.000 Internetnutzern. Sie alle erhielten eine Mitgliedskarte für Jias kleines Hotel in Lhasa.

So wie Jia setzen immer mehr chinesische Jungunternehmer und Start-Ups auf das so genannte Crowdfunding, darauf also, im Internet finanzielle Unterstützung für ihr Geschäftsprojekt zu finden.





Sie stellen ihr Vorhaben auf einem entsprechenden Portal vor und geben dabei die angepeilte Investitionssumme und den Ausschreibungszeitraum an, das Portal kassiert bis zu zehn Prozent für seine Dienstleistung.

Das ursprünglich aus den USA stammende Crowdfunding erfreut sich mittlerweile in vielen Teilen der Welt wachsender Beliebtheit. Für Zhang You, den Mitbegründer des chinesischen Portals demohour.com, liegen die Gründe auf der Hand:

Crowdfunding macht es für normale Leute ohne große Reichtümer viel leichter, ein eigenes Geschäft oder Unternehmen zu gründen

Demohour startete im Juli 2011 als erstes chinesisches Crowdfunding-Portal, zahlreiche weitere folgten – etwa Musikid.com für Musiker und Bands oder Tmeng.cn für Filmprojekte oder auch Emielife.com für Designer.

Mich hat der Riesenerfolg von Kickstarter.com in den USA inspiriert und ich dachte mir, dass die Leute hier in China auch so eine Möglichkeit brauchen, ihre Ideen umzusetzen, 

so Zhang. Zwar sei man noch weit entfernt von Dimensionen wie bei Kickstart, wo für ein einzelnes Projekt Millionen Dollar zusammenkommen können, aber der Anfang sei gemacht. Und er glaube einfach an die Zukunft des Konzepts in China. Dazu trägt auch bei, dass sich Zhang der Gefahr bewusst ist, die von Online-Kriminellen ausgeht:

Unser Team prüft die eingereichten Projekte auf Herz und Nieren und nur zehn Prozent der eingereichten Konzepte erscheinen tatsächlich auf unserer Webseite. 

So haben etwa Projekte rund um Alkohol, Drogen oder Kosmetik sowie Immobilien keine Chance bei demohour.com.

Aber auch gelistete Projekte finden nicht in jedem Fall Sponsoren: Von den etwa 700 bei demohour.com ausgeschriebenen Vorhaben erhielt nur die Hälfte wirklich die erhoffte finanzielle Unterstützung.

Dass selbst das nur ein Anfang sein kann, schreibt der Politikwissenschaftler Liu Weibing ambitionierten Jungunternehmern ins Pflichtenheft:

Das erforderliche Geld einzusammeln ist wirklich nur der allererste Schritt. Die Leute erwarten gute Produkte und guten Service. Es gibt also sehr viel zu tun, als nur eine erfolgreiche Online-Finanzierung zu feiern.







Chinese Crowdfunding

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