Sonntag, 21. April 2013

Was geht? 21042013




Diese Woche stand ganz unter dem Eindruck der Konferenz The Future of Crowdfunding  am 17. April in Berlin. Veranstalter war Karsten Wenzlaff, geschäftsführender Gesellschafter des ikosom,  Institut für Kommunikation in sozialen Medien. Zwei weitere Teammitglieder, nämlich Jörg Eisfeld - Reschke und Wolfgang Gumpelmaier haben auf unterhaltsame Weise kenntnisreich moderiert. 

Im ersten Block ging es um den Stand der Regulierung des Crowdfunding in Italien, Frankreich und Deutschland. Italien hat zeitlich die Nase vorn. Frankreich gilt als restriktiv, Deutschland zeigt sich liberal. Es referierten: Daniela Castrataro (Twintangibles), Fabien Risterucci (FPF), Guido Sandler (Bergfürst) und Tobias Riethmüller (GSK).

Nach der Pause informierte Michael Eis (Boomerang) über Strategien zur Wachstumsfinanzierung. Christin Friedrich (Innovestment) schilderte Funktion und Nutzen des eigenen Auktionsverfahrens für Unternehmensbeteiligungen. Die Problematik, selbst einen fairen Unternehmenswert berechnen zu können, werde damit umgangen. 

Tamo Zwinge (Companisto) hob hervor, dass das aus aufsichtsrechtlichen Gründen  bis vor kurzem stets auf 100 T€ begrenzte Finanzierungsziel bei Companisto weggefallen ist.  Die Kontextsuchmaschine TAME.it erhielt 250 T€ und bei künftigen Projekten seien auch Beträge von 350 T€ bis 500 T€ möglich. 

Univ.-Prof. Dr. Martin Schwab, Lehrstuhl
für Zivilsrecht
an der FU Berlin
Tamo Zwinge und sein Gründungspartner David Rhotert sind im harten M&A Geschäft erprobte Juristen und haben offenbar mittels Nachrangdarlehen eine wasserdichte Konstruktion gefunden. Dabei darf nicht vergessen werden, dass Companisto durch Martin Schwab (rechts im Bild) exzellent beraten wird (Schriftenverzeichnis)  Zwinge sprach anschließend darüber, dass Crowdfunding auch als leistungsfähiges Marketinginstrument taugt. Die Zeit des Funding kann genutzt werden, um das Unternehmen zu erklären und es bekannt zu machen. Durch soziale Interaktionen lässt sich die Reichweite der eigenen Botschaften enorm steigern. Beide wissen genau, worüber sie reden. Schließlich waren sie selbst mal Gründer (PARTYCARD).

Raphael Otten (United Equity) hatte seine Oma, ein uraltes Auto und einen Minibagger dabei, bildlich gesprochen. Er räumte mit dem Vorurteil auf, dass Crowdfunding nur etwas für kleine Unternehmen mit einer sexy Equitystory sei. Durchaus ließen sich Investoren auch von etablierten Unternehmen mit eher langweiligen Produkten (Minibagger) motivieren. Verlässliche Gewinn- und Ausschüttungsprognosen hätten auch ihren Reiz. 

Dana Schramm (Innovestment) gewann dem zähen Funding von eTukTuk positive Seiten ab. Gründer Adam Rice konnte ebenso gut damit leben. Steter Tropfen höhlt den Stein.



Gijsbert Koren (Douw & Koren) betonte, dass Crowdfunding eigentlich Communityfunding sei. Er hat völlig recht. Ein nicht unerheblicher Teil der Mikroinvestoren sind Family und Friends. Wer die nicht hat, verfehlt das Fundingziel. Freundes-, Familien- und Fankreise gibt es in zunehmendem Maße auch außerhalb des eigenen Landes. Wer beispielsweise in den USA eine Community auf die Beine kriegt, kann natürlich auch dort funden. Douw & Koren zeigen, wie es funktioniert.






Nach dem Lunchbreak mit leckeren Butterbrezeln und erfrischenden Getränken sprachen Dennis Brüntje und Anja Solf (beide TU Ilmenau) darüber, dass Crowdfunding mehr sei als nur Geld einzusammeln. Mit ihrem Thema Co-Creation haben sie bei mir offene Türen eingerannt. In das gleiche Horn stieß Reinhard Willfort (1000x1000.at und Neurovation.net) mit seinem Plädoyer für Open Innovation. Beide Vorträge habe ich in ein Storify eingebunden: Was unserem Unternehmen wirklich hilftSteffen Boller (LeihDeinerStadtGeld) zeigt mit Civic Crowdlending einen Weg auf, wie man kommunale "Steuern" freiwillig bezahlen und wieder zurückbekommen kann. Mit seiner Umwelt geht das auch. Die bürgerschaftliche Finanzierung öffentlicher Infrastruktur war anschließend ebenso das Thema von Ronald "the CrowdfundingPromoter" Kleverlaan (webclusive). Bei ihm bekommen Interessierte eine sorgenfreie White-Label-Software. Peer Piske (Crowdener.gy) brachte das Thema der genossenschaftlichen Strukturen bei erneuerbaren Energien auf die Tagesordnung, sehr interessant. Am Ende dieses Themenblocks riss Michael Gebert mit seinem leidenschaftlichen Vortrag über gut erforschte Risiken der Mikrofinanzwelt das Fachpublikum mit. 






Karol Krol hatte zu kämpfen. Nicht nur, weil er nach Michael Gebert sprechen musste. Nein, auch deshalb, weil der für die Slides zuständige Laptop sich vorübergehend ausklinkte. Wer aus einem Emerging Market kommt - das war sein Thema - hat es eben zumeist doppelt und dreifach schwer. Karol hob das Währungsverhältnis zwischen EURO und Zloty hervor, nämlich 1:4. Investoren des Euroraums könnten also besonders günstig in polnische Startups finanzieren. Zum Schluss verteilte Karol fleißig Jutetaschen mit dem Aufdruck "Crowdfunder Bag" an alle, die unmittelbar nach seinem Vortrag den Hashtag #CFbag twitterten. Habe ich selbstverständlich gemacht und einen Beutel eingeheimst.

Max Valentin (Crowdculture) widmete sich dem Thema Co-Financing und Crowdsourcing im kulturellen Bereich. Ihm liegt die soziale Gerechtigkeit am Herzen. Beim Crowdfunding gäbe es keine Gauß'sche Normalverteilung. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung des Startup-Erfolgs sei vielmehr ein "long tail": Den ganz großen Erfolg feiern nur wenige, die meisten verschwinden in der grauen Masse der Mittelmäßigkeit. Schließlich schärfte Max unser Bewusstsein für prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse in der Crowd. Auch beim Crowdfunding verdienen nur wenige richtig Geld.

Der legendäre Michael Bogatzki von Sellaband vermittelte in freier Rede seine Vision von Crowdfundern als Revolutionären der Kreativwirtschaft, vor allem der Musikbranche. Sellaband ist global, eine Erfolgsstory vieler Independent Labels. 

David Heberling (pling) hatte das Thema "Crowdfunding and Cooperation with public institutions". Sein Unternehmen tableofvisions.de hat die brandneue Ideenfabrik der Sparkassenorganisation implementiert. Das beeindruckte mich: Ideenfabrik der Sparkassen.

Ohne Kultur ist alles nichts. Auch wenn es dabei zumeist um relativ kleine Fundings geht. Der Transformationsmechanismus ist sehr leistungsfähig. Konrad Lauten (inkubato) brachte uns Crowdfunding und Kooperationen mit Kulturinstitutionen nahe. 

Abschließend erzählte der wunderbare Epirot Ludvik (Ludvikplus) aus seinem reichen Erfahrungsschatz einiges zur Crowdsourcing Revolution.

Eine glänzende Veranstaltung mit zahlreichen guten Gesprächen und Begegnungen. Herzlichen Dank an das Team von ikosom!!!


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Was sonst noch ging:


Das auf Companisto finanzierte Startup movinary.de wurde von BILD.de zur besten Seite in der Rubrik Foto gekürt, bitte hier clicken.

Tamo Zwinge hat auf deutsche-startups.de fünf wichtige Voraussetzungen für Anschlussfinanzierungen genannt. Das ist ein überaus wichtiges Thema. Bereits beim Crowdfunding muss klar sein, wie es finanziell weitergeht. Das gefundete Geld reicht meistens nicht länger als ein oder höchstens zwei Jahre. Mehrere hundert Mikroinvestoren werden bei ungeeigneten Strukturierungen schnell zum Dealbreaker. 





Ein Blick in unser schönes Nachbarland:

Barbara Sorge titelt in der Wiener Zeitung: Im Namen der "Crowd"

Sie berichtet über die zweite österreichische Crowdfunding-Plattform CONDA mit ihrem Startup Wohnwagon. Der Artikel sieht stark nach paid content aus. Ausgewogenheit geht anders. Es wäre nicht bloß fair, sondern nach den Kriterien journalistischen Arbeitens unabdingbar gewesen, auch über 1000x1000.at zu informieren, den Pionieren in Sachen Crowdfunding. 1000x1000.at geht den steinigen Weg von der Idee über Open Innovation zum Funding. Theoretisch fundiert und nach meiner Überzeugung bis jetzt der einzige nachhaltige Ansatz in Europa.


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