Mittwoch, 15. Mai 2013

Ist Crowdfunding wichtig?

Immer wieder wird uns in Erinnerung gerufen: Das Finanzsystem ist schwer zu steuern. Lernkurven scheint es kaum noch zu geben. Der deutsche Derivatemarkt hat ein Volumen von nahezu 100 Milliarden Euro. Alternativlose Lösungen schaffen neue Probleme. Beispiele: Griechenland und Zypern. In mancherlei Hinsicht: Selbstaufgabe! 

Unsere Bürgerschaft organisiert sich und schafft Alternativen. Crowdfunding ist geboren. Anfangs für Kreative. Jetzt auch zugunsten neu gegründeter Unternehmen, dafür wurden die Begriffe Equity Crowdfunding und Crowdinvesting geprägt. Schon zeigen sich erste Fehlentwicklungen: Auf Seedmatch.de gibt es ein Projekt mit einem Fundinglimit von 750.000 Euro. Die Verantworlichen von Seedmatch oder wer auch immer haben diesem Startup einen Wert von 12.500.000 Euro beigelegt. Aus diesen beiden Zahlen errechnet sich für die Investoren eine Gewinnbeteiligung in Höhe von insgesamt 6 %. Theoretisch sind sie auch an einem Exiterlös beteiligt. Aber nur an dem  Teil des Unternehmenswerts, der den Betrag von 12.500.000 Euro übersteigt. Utopie! Sollte das Unternehmen jemals 100.000 Euro Gewinn machen, was ein großer Erfolg wäre, werden immerhin 6.000 Euro an die Investoren, die 750.000 Euro gegeben haben, zurückfließen. Das Sparbuch  würde mehr bringen! Crowdfunding schützt nicht vor Gier. 

Aus an sich gut gemeinten Projekten werden Heuschrecken!

Dadurch schlägt Crowdfunding einen Bogen zurück in das alte Finanzsystem und verliert seine Daseinsberechtigung. Die klugen Leute aus der Redaktion von brandeins.de haben das erkannt:




Dabei geht es um ein neues Wirtschaftssystem, in welchem nicht mehr Unternehmen, sondern die Kunden das Sagen haben. brand eins


Sogar das klassische Crowdfunding "Goes Mainstream" und erhitzt die Gemüter. Auf FACEBOOK wird ein derartiger Fall diskutiert: 






Bei Zach Braff & Co. und Veronica Mars waren die großen Studios nicht zu einer Produktion bereit. Mit der Hilfe von Crowdfunding haben Fans nun die Kosten selbst aufgebracht und das eingenommene Geld den Produzenten zur Verfügung gestellt. Kickstarter beschäftigt sich nun mit der Frage, ob berühmte Persönlichkeiten diese Plattform nutzen sollten: Schadet es anderen Kreativen? Ist es fair? Im hauseigenen Blog hebt Kickstarter hervor, dass durch Veronica Mars und Zach Braff zigtausend neue Geldgeber gewonnen wurden. Diese so genannten Erstunterstützer haben für 2.200 Projekte insgesamt 400.000 USD gegeben. Dieser Blockbuster Effekt sei auch in den Bereichen Games und Comic beobachtet worden. Wirtschaftlich gesehen müssten unbekannte Kreative die Kampagnen ihrer prominenten Vorreiter demnach sogar begrüssen. Kickstarter sei kein Nullsummenspiel, sondern schaffe eine Win-Win-Situation. Perry ChenYancey Strickler und Charles Adler heben in ihrem Blogbeitrag die Möglichkeit zur Partizipation am Crowdfunding hervor, die jedem offen steht. 

Leider hat Kickstarter nur eine einzige Argumentationsebene berührt, nämlich die monetäre. Selbstverständlich ist es notwendig, die Kosten eines Projektes zu decken und  für das Engagement der Projekteigner vielleicht noch ein wenig Gewinn übrig zu behalten.  Aber reicht das aus? Glücklicherweise beteiligen sich an dieser Diskussion Menschen aus völlig verschiedenen Erfahrungswelten. Deswegen werden viele Aspekte des Crowdfunding sichtbar, die sonst verborgen geblieben wären. Ich versuche hier, wichtige Diskussionslinien zu beschreiben und zu interpretieren:


Welche Chancen bietet Crowdfunding?


Crowdfunding kann eine Nische sein, in der Ideen, Inhalte und Unternehmen um ihrer selbst Willen unterstützt werden. Es ermöglicht Experimente und vielfältige Veränderungsprozesse. Ursprünglich war Crowdfunding ein Katalysator für Netzwerkbildung. In der Chemie gehen Katalysatoren unverändert aus den von ihnen beschleunigten Prozessen hervor und behalten ihren Nutzen. Wenn Crowdfunding weiterhin relevant sein soll, müssen wir darauf achten, dass dieser Katalysator nicht unwiderbringlich zerstört wird. Dieser Gedankengang führt zu der aktuellen Kritik an den Blockbustern auf Kickstarter.

Crowdfunding ist revolutionär. Es hat mehr Dimensionen als die des stumpfsinnigen Geldsammelns. Eine Erläuterung aus der Indie-Film Szene:


Da hat jemand eine Idee, wie man eine bestimmte Geschichte anders und besser erzählen kann als im Mainstream-Kino. Dafür findet er Unterstützer, die diese Idee auf der Leinwand sehen wollen, um dadurch vielleicht ein kulturpolitisches Zeichen zu setzen, z.B. was die inhaltliche Ausrichtung der Filmförderung betrifft.
Selbstverständlich wollen die alle, dass der Film Erfolg hat, denn der wirtschaftliche Erfolg überzeugt natürlich und kann als Argument genutzt werden, damit vielleicht in Zukunft Filme mit ähnlicher Erzählweise mehr oder überhaupt gefördert werden. Das ist der kaufmännische Aspekt. Aber er folgt erst aus dem logisch vorausgängigen: 
Durch Realisierung eines solchen Films zu zeigen, (Spoxx Aya, 12. Mai 2013 um 12:33 Uhr)

  • dass diese andere Erzählweise überhaupt filmisch funktioniert - das ist eine dramaturgische Betrachtungsweise;
  • und dass derartige Filme wichtig sind - das ist ein gesellschaftlich-kultureller Aspekt; (Spoxx Aya, 12. Mai 2013 um 12:33 Uhr)

Crowdfunding als Chance für die Nische:

 CF heißt doch, dass viele - noch mal: viele - wenig geben und damit eine größe Summe gemeinsam aufbringen. Wenn wir über CF als Chance für die Nische sprechen, müssen wir noch mal genauer umreißen, was denn Nische ist. Ist Nische ein kleines gallisches Dorf, schön abgegrenzt mit einem Zaun herum oder sind das einzelne, durchaus auch viele Einzelpersonen, die wiederum ganz verstreut auf diesem Erdtrabanten leben können? Warum funktioniert denn Film und Musik durchaus, Theater dagegen weniger? Z.B. weil Theaterfans das gar nicht wahrnehmen als eine Möglichkeit. Die Kulturfinanzierung im überwiegenden Teil in DE immer noch "Fördermittel von Staat und Gemeinden". Die Theater (auch kleine Produktionen) trauen sich an CF nicht ran, weil sie denken, dass das keiner macht. Und wenn keiner ernsthafte Angebote schafft, lernt das auch keiner.
Wenn CF im Mainstream ankommt, sehe ich da aber eine Chance. (Mainstream ist das mit dem Geldverdienen, weniger das mit der Kunst, das müsste ja klar sein.) Dann nämlich erst können genügend Leute, die man zu einer (dezentralen!) Nische mehr oder minder gleichzeitig auf die Idee kommen, sich dem CF zu ermächtigen. Darauf dann erfolgen erst Initialzündungen zur Gründung und Verdichtung von Netzwerken, die wiederum notwendig sind für den Erfolg von CF-Projekten. (Steffen Peschel, 13. Mai 2013 um 12:08 Uhr)


Crowdfunding soll sozialen Nutzen stiften


Social Business ist keineswegs auf Non-Profit Organisationen beschränkt. Es gibt auch Gewinne ohne Sozialromantik. Kaufmännisches Denken und sozialer Nutzen schließen einander nicht aus, sondern können sich ergänzen. Beide Aspekte sollten von unserem Wahrnehmungsraster erfasst werden. Zitat:


Denn in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens trumpft heute die wirtschaftliche Argumentation jede andere Sichtweise - verdrängt sie nahezu aus dem gesellschaftlichen Diskurs. Und dies, so bin ich überzeugt, zu unser aller Schaden. Kultur, Bildung, Gesundheit - alles wird betrachtet unter dem Vorzeichen: "können wir uns das leisten" - d.h. unter Renditegesichtspunkten. Für mich zeigt die gegenwärtige Wirtschaftskrise und die Unfähigkeit sie zu meistern deutlich und existentiell die Grenzen des wirtschaftsimmanenden Denkens. Und ich habe das Gefühl, dass insgesamt und global Vertrauen in diese Sichtweise verloren geht. (Spoxx Aya, 12. Mai 2013 um 12:33 Uhr)


Projekte mit einem erkennbaren Social-Pay-Off geben Crowdfunding Sinn und Zweck.



Was hat Crowdfunding mit Demokratie zu tun?


Crowdfunding kann als individualistischer Ansatz begriffen werden:


Ich glaube, dass beim Crowdfunding generell das Individuum im Vordergrund steht. Ich unterstütze ein Projekt, weil es mir gefällt, weil ich den Film sehen oder die CD haben möchte. das hat mit den anderen wenig zu tun, insofern würde ich hier nicht von einem demokratischen Verfahren sprechen, was die anderen tun und denken, ist mir in dem Moment egal. Es sei denn, das Projekt selbst ist gesellschaftlich relevant.(Christian Henner-Fehr, 13. Mai 2013 um 22:24 Uhr)


Nehmen wir Ivana Scharf mit ihrem Projekt Museum in Motion. Das ist ist für mich gesellschaftlich relevant. Aber können wir jetzt von einem demokratischen Entscheidungsprozess sprechen? Mir selbst kam dieser Aspekt gar nicht in den Sinn, ich habe das Projekt unterstützt, weil es mir einfach gefallen hat.
Daher stelle ich mir die Frage, ob der Begriff "demokratisch" beim Crowdfunding nicht zu hoch greift und das ganze Prozedere auf eine Ebene hebt, auf der Crowdfunding eigentlich gar nicht stattfindet? 

(Christian Henner-Fehr, 13. Mai 2013 um 22:24 Uhr)


Demokratie als demokratischer Akt im Kleinen:


es geht darum, daß die crowd bestimmt, welche projekte realisiert werden mit ihrem geld. wie schon gesagt, dabei bezahlt niemand für ein projekt, das er nicht möchte. anders sieht das in der repräsentativen 'demokratie' aus. dort müssen ALLE für eine mehrheitsentscheidung bezahlen, mit der üblicherweise ein beträchtlicher teil der crowd unzufrieden ist.
und: ob die (demokratische) wahl des bürgermeisters in hinterpupsdorf gesellschaftlich relevanter ist als der bau eines museums in dresden... ist für die klärung des begriffes nicht relevant. 
das wort 'demokratisch' wird eben auch im kleinen angewandt, wenn eine entscheidung durch abstimmung erfolgt. darüber herrscht konsens im allgemeinen sprachgebrauch. ob dieser konsens der ursprünglichen bedeutung des wortes noch gerecht wird, auch das ist dabei irrelevant.(Daniel Boehme, 13. Mai 2013 um 23:07) 


Meistens starten nicht mehr als drei Leute ein Projekt. Jeder von ihnen bringt im Durchschnitt 200 Interessierte ein. Es baut sich eine Community von ein paar hundert Leuten auf. Daraus rekrutieren sich die Unterstüzter des Projektes, im statistischen Durchschnitt etwa 40 % aus dem eigenen persönlichen Umfeld. Ein weiterer Aspekt: Es gibt Menschen, die vom Crowdfunding ausgeschlossen sind, weil sie kein Geld respektive keinen Internetzugang besitzen. Eine eher pragmatische Sichtweise:


CF gibt einzelnen Menschen Möglichkeiten Welt zu gestalten, z.B. die ganz eigene, indem ich meine Wohnung und mich selbst mit ganz individuellen Dingen und Möglichkeiten ausstatte. CF gibt Möglichkeiten und damit Macht. Diese Macht wiederum ist es, über die wir sprechen, wenn wir CF mit der Idee der Demokratie in Verbindung setzen wollen. Frage: Wie viele Menschen in DACH wissen bisher von CF, wissen es einzusetzen und nutzen es tatsächlich auch? Einfach nur um es kurz zu machen: nennen wir sie Elite. Eine kleine informierte Menge an Menschen haben und nutzen Machtstrukturen. Also? Keine Demokratie. Oder hat Angela Merkel schon mal irgendwo dazu aufgerufen sich für CF zu interessieren? (Steffen Peschel, 13. Mai 2013 um 12:08 Uhr)



Demokratie ist eine Form der Machtausübung und zumeist ist Geld das probate Mittel zum Zweck:


Projektimmanent betrachtet, könnte man allerdings schon eher von einer "Demokratisierung" sprechen: weil ja "the people formerly known as the audience" über Partizipation plötzlich Gestaltungsmacht bekommen (wieSteffen es vielleicht meint) - obwohl: wirklich demokratisch verbindlich für den Projektinitiator sind diese Prozesse ja nicht; er kann sie ignorieren und immer noch machen, was er will...! Es gibt allerdings noch einen dritten Aspekt, der nur sehr wenig gesehen wird: Wenn sich der Gedanke durchsetzt, dass man "Gestaltung" nicht einfach nur "denen da oben" (ob in Politik oder Wirtschaft oder Kultur) überlassen sollte, dann hätte dieses Heraustreten aus einer selbstgewählten Passivität auch schon wieder was mit "Demokratie" zu tun. - Irgendwie (Spoxx Aya, 13. Mai 2013 um 12:49 Uhr)


Bringt Crowdfunding mehr Demokratie in die Kulturszene?


Crowdfunding lässt sich damit aber nicht wirklich vergleichen, sonst wäre ja jede Spendensammlung von Rotem Kreuz, Amnesty International, etc. auch ein demokratischer Akt. Wir müssen das jetzt nicht unbedingt weiter diskutieren, wenn es nervt, aber mir ist das schon wichtig und zwar im Hinblick auf die Frage, welche Form der Unterstützung demokratischer ist: die klassische Kulturförderung oder das Crowdfunding? (Christian Henner-Fehr, 13. Mai 2013 um 15:41 Uhr)




Crowdfunding birgt demokratische wie auch undemokratische Elemente:


Beim Crowdfunding entscheiden die Unterstützer über den Erfolg des Projektes. Betrachtet man die Unterstützer als "Volk" und deren Bedeutung für das Gelingen als "Herrschaft" handelt es sich durchaus um Demokratie. Nicht nur im Wortsinne, sondern tatsächlich. Immerhin scheitern auf Kickstarter mehr als 50 Prozent. Die Probleme sehe ich woanders, nämlich bei der Auswahl der Projekte, die zur Finanzierung zugelassen werden. Da werden mehr als 90 % der Einreichungen aussortiert, jedenfalls im Equity Crowdfunding. Aber nicht durch die Crowd, sondern in einem völlig intransparenten Prozess. Andererseits muss es einen Schutz vor Betrug geben, so dass nicht jedes Projekt, das eingereicht wird, zugelassen werden darf oder doch? (Eric Schreyer, 13. Mai 2013 um 19:33 Uhr)


Nach meinem Verständnis ist Demokratie eine Struktur, eine Form. Beim Crowdfunding darf es keinen Gatekeeper geben. Jede Idee muss eingereicht werden dürfen. Die Crowd entscheidet, ob sie ins Funding geht oder verworfen wird. In der DACH-Region gibt es nur eine einzige Plattform mit diesem Mechanismus:http://www.neurovation.net kombiniert mit http://www.1000x1000.at. Das ist Demokratie! Für mich Erkenntnis #1 (Eric Schreyer, 14. Mai 2013 um 07:26 Uhr)


Ein weiter gefasstes Verständnis von Demokratie:


Ich versuche es mal anders zu erklären. Der Begriff Demokratie ist in meinen Augen dann zulässig , wenn es in irgendeiner Form um das Gemeinwohl geht. Ansonsten würde ich eher von Mitbestimmung sprechen (Christian Henner-Fehr, 13. Mai 2013 um 22:09 Uhr)


Zur Bedeutung von Partizipation:


Teilhabe und Zugehörigkeit sind wichtig für die Entwicklung von Werten. Partizipation ist ein zentrales Prinzip der Demokratie! Diese beiden Begriffe würde ich nicht voneinander trennen, wenn man Demokratie als Gesellschafts- und Lebensform betrachtet. Ich stelle mir die Frage, ob Crowdfunding ohne demokratische Partizipation überhaupt lebensfähig ist. (Eric Schreyer, 14. Mai 2013 um 11:29 Uhr)

Erst wenn es darum geht, der Gesellschaft einen Nutzen zu verschaffen, traue ich mich, von demokratischen Verfahren zu sprechen. D.h. wenn Du Dich finanziell an der Entwicklung eines Onlinespiels beteiligst und vielleicht auch noch eigene Vorschläge einbringen darfst, dann ist das in meinen Augen partizipativ, aber nicht demokratisch. Für Dich ist das aber bereits ein demokratischer Akt, weil Du im Grunde genommen nicht zwischen partizipativ und demokratisch unterscheidest. (Christian Henner-Fehr, 14. Mai 2013 um 11:39 Uhr)




Crowdfunding und Bürgergesellschaft


Die noch junge Schwarmfinanzierung spielt sich im Kleinen ab. Demokratische Elemente sind aber konstitutiv. Teilhabe und Zugehörigkeit der Vielen bewirken in mancherlei Hinsicht einen sozialen Nutzen. 


Ohne diesen sozialen Nutzen ist Crowdfunding nicht denkbar!

In diesem Sinne ist Crowdfunding bürgerschaftliches Engagement. Eine Abgrenzung zwischen sozialem Nutzen und bürgerschaftlicher Aktion findet sich in einem sehr lesenswerten Blogbeitrag auf SPOXX.TV:


Da ist zum Einen ein Bereich, in dem crowdfundende FilmemacherInnen das Engagement ihrer Unterstützer nicht nur auf das eigene Projekt hin bündeln, sondern sozusagen durch das Projekt hindurch auf einen im weitesten Sinne “community” – orientierten Mehrwert lenken.Da ist zum Andern ein Bereich, in dem engagierte BürgerInnen ihre politische Entmachtung durch post-demokratische Interessenskartelle nicht mehr hinnehmen, sondern die Machtpositionen der Parteien- und Gremiendemokratie sozusagen symbolisch occupieren, um eine wachsende Bürgergesellschaft zu entwickeln und zu unterstützen.(SPOXX.TV, see what happens, Crowdfunding und Bürgergesellschaft, veröffentlicht am 15.11.2011, aufgerufen am 16.05.2013, http://www.spoxx.org/_tv/?p=205)


Weiter heißt es dort:


Unterdessen ist ein weiterer US-Filmemacher in Sachen Indie-Film-Community unterwegs: Lucas McNellyhat mit seiner Kickstarter-Campagne für A-YEAR-WITHOUT-RENT Crowdfunding-Geschichtegeschrieben. Auch ihm ist eine ansehnliche Summe zugeflossen: 12.178 US-Dollar. Mit diesem Geld finanziert er eine einjährige Reise von einem Indie-Filmprojekt zum nächsten. Er hilft mit am Set – und erberichtet von den Produktionen, die er besucht.
Der in Geld schwer fassbare “Mehrwert” dieser Unternehmung liegt allerdings nicht allein in dem PR-Effekt für die einzelnen besuchten Produktionen. Lucas beschreibt vielmehr genau, detailliert und ausführlich (manchmal in Serien über mehrere Blogposts hinweg) organisatorische und technische Probleme der einzelnen Low-Budget-Produktionen – und erzählt, wie immer wieder der “Spirit of Indie Filmmaking” mit unkonventionellen Lösungen beispringt.
Hier entsteht ein Kompendium des unkonventionellen Filmemachens, das nach Beendigung der Tour als (wie ich hoffe “transmediales”) Werk vorliegen soll.
Dass diese Arbeit von der US-FilmemacherInnen-Szene hoch geschätzt wird, zeigt die Crowdfunding-Campagne “A YEAR WITHOUT RENT – Thanksgiving”, die von den Kanadischen FilmemacherinnenVictoria und Jen Westcott und anderen ins Leben gerufen wurde, um zusätzliche Mittel für Lucas aufzubieten.

Der in Geld schwer fassbare “Mehrwert” dieser Unternehmung liegt allerdings nicht allein in dem PR-Effekt für die einzelnen besuchten Produktionen. Lucas beschreibt vielmehr genau, detailliert und ausführlich (manchmal in Serien über mehrere Blogposts hinweg) organisatorische und technische Probleme der einzelnen Low-Budget-Produktionen – und erzählt, wie immer wieder der “Spirit of Indie Filmmaking” mit unkonventionellen Lösungen beispringt.Hier entsteht ein Kompendium des unkonventionellen Filmemachens, das nach Beendigung der Tour als (wie ich hoffe “transmediales”) Werk vorliegen soll.Dass diese Arbeit von der US-FilmemacherInnen-Szene hoch geschätzt wird, zeigt die Crowdfunding-Campagne “A YEAR WITHOUT RENT – Thanksgiving”, die von den Kanadischen FilmemacherinnenVictoria und Jen Westcott und anderen ins Leben gerufen wurde, um zusätzliche Mittel für Lucas aufzubieten. (SPOXX.TV, a.a.O.)

SPOXX.TV zieht ein ermutigendes Fazit:

In meiner persönlichen Sicht unternimmt es die Demokratiebewegung, die individuelle Lebens-Expertise eines jeden Mitglieds unserer Gesellschaft zu mobilisieren, um gemeinschaftlich Lösungen zu erarbeiten und die Gesellschaft real umzustrukturieren und demokratischer zu machen: unabhängig von partei- und gremienpolitischen Strukturen, ihnen zum Trotz, und über sie hinweg. Dies ist wirklich neu!Die Crowdfunding-Idee ist diesem Ansatz wesensverwandt.Ich habe das noch neblig-verschwommene Gefühl, dass der Crowdfunding-Gedanke sich nicht in seiner Anwendung als (Film-)Finanzierungswerkzeug erschöpft. Wenn wir lernen, den Crowdfunding-Prozess – d.h. die flexiblen Finanzierungs-Entscheidungen der UnterstützerInnen – als Element einer basisdemokratisch orientierten (kulturpolitischen) Willensbildung zu sehen… -- … dann könnte über ein derart verändertes und sich veränderndes Medienverständnis – unabhängig von partei- und gremienpolitischen Strukturen, ihnen zum Trotz, und über sie hinweg – ein inhaltlicher, formaler, ästhetischer und gesellschaftspolitischer Wandel des Filmemachens eingeleitet werden: Im Sinne eines EMPOWERMENT; einer aufgeklärten Bürgergesellschaft. Filmförderung von unten!  (SPOXX.TV, a.a.O.)
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Die Reaktionen auf diesen Blogbeitrag:

Mir gefällt das Blogpost sehr gut, denn es zeigt recht schön, was mit Crowdfunding erreicht werden kann. Die aufgeklärte Bürgergesellschaft, das sind aber die Menschen und nicht das Crowdfunding. Es hängt von den Projektinitiatoren ab, ob sie Geld für ein Projekt einsammeln, mit dem sie die Gesellschaft verändern wollen oder damit in die Karibik verschwinden. (Christian Henner-Fehr, 14. Mai 2013 um 20:48 Uhr)


Crowdfunding ist ein Instrument, um die Welt zu verbessern, aber das lässt sich auch von der Kreditkarte sagen. Es muss sie nur der richtige in die Hand bekommen.(Christian Henner-Fehr, 14. Mai 2013 um 20:48 Uhr)




deswegen reden wir immer von 'demokratisierung' und nicht von einem perfekten idealzustand - und meinen damit eine tendenz... im vergleich zu despotismus, planwirtschaft, inquisition oder gremienförderung ist crowdfunding ein deutlicher sprung in richtung demokratie.(Daniel Boehme, 14. Mai 2013 um 22:28 Uhr)

 ...und gerade weil es um die Menschen geht, die gehört, ernstgenommen, informiert, überzeugt, eingebunden, wertgeschätzt... sein wollen, ist es i.m.A. so wichtig, immer wieder zu thematisieren, dass CF eben nicht nur ein weiteres schickes Werkzeug zum Geldeinsammeln ist, das an ihren Geldbeutel ranwill...Und was die Partizipation oder die Hürden zur Teilnahme betrifft: vielleicht sind wir da gerade in einer Situation ähnlich der, als das Ancien Regiem zu bröckeln begann, und das Bürgertum seine politische Macht entdeckte: Da wurde dann die Idee einer Schulpflicht entwickelt, Bildung als gesellschaftliche Aufgabe wahrgenommen, denn ohne lesen, schreiben, rechnen war Demokratie nicht zu machen.So sehe ich das heute analog - mal überspitzt gesagt: wer Crowdfunding will, darf vor politischen Forderungen nach allgemeinem Zugang zu Know-How, Technik, Ausbildung etc. nicht haltmachen.(Spoxx Aya, 14. Mai 2013 um 22:54)


Es partizipierten:  Rodja Pavlik, Wolfgang Gumpelmaier, Spoxx Aya, Daniel Boehme, Christian Henner-Fehr, Steffen Peschel und ich.


Anmerkung: Sofern nicht anders angegeben, handelt es sich bei den Zitaten um Kommentare zu einem am 8. Mai 2013 um 18:46 Uhr von Rodja Pavlik verfassten Beitrag in der Gruppe "Crowdfunding" auf FACEBOOK, zu erreichen unterhttps://www.facebook.com/groups/crowdfunding/. Die Autoren der Kommentare und Spoxx Aya als Autor von SPOXX.TV sind mit einer Veröffentlichung ihrer Zitate respektive Blogauszüge sowie ihrer Nutzernamen ausdrücklich einverstanden.
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