Samstag, 27. April 2013

SEEDMATCH: Funding + Marketing = Equity Crowdfunding

Erdbär und Refined Investment waren auf SEEDMATCH innerhalb weniger Stunden finanziert. Mit Crowdfunding hat das nichts zu tun. Hier auf Crowdinvesting News  habe ich diese Exklusion der Crowd mehrfach kritisiert. GRÜNDERSZENE  hat beim Gründer von SEEDMATCH, Jens-Uwe Sauer, nachgefragt. Im Interview sagt Sauer zwar

"wir wissen aber heute, dass es doch sehr zuträglich sein kann, wenn das Crowdfunding etwas länger dauert".

Damit spielt er jedoch nur auf eTukTuk an, deren Gründer einer zähen Finanzierungsrunde Gutes abgewonnen haben, weil sie in dieser Zeit mehr Aufmerksamkeit von potenziellen Kunden bekamen. Für den SEEDMATCH - CEO ist Crowdfunding also ein Instrument zur Produktvermarktung. 




Die Formel Funding + Marketing = Equity Crowdfunding halte ich für falsch. Gerade in dieser frühen Entwicklungsphase des Crowdfunding ist es wichtig, die Fehler der Venture Capital - Industrie zu vermeiden: Schlechte Entscheidungen durch Individuen führten in der vergangenen Dekade dazu, dass mit Venture Capital kein Geld verdient worden ist. 

Sauer bezeichnet SEEDMATCH als deutschen Marktführer des Crowdfunding. Aber Marktführerschaft ist nicht allein eine Sache der Quantität (des Finanzierungsvolumens), sondern auch eine der Qualität (Strukturierung des Crowdfunding). In Sachen Qualität steht SEEDMATCH mit leeren Händen da:

  1. Dem Vernehmen nach hatte SEEDMATCH im 1. Quartal 2013 pro Tag durchschnittlich eine Projekteinreichung. Nicht mehr als 5 % haben es auf die Plattform geschafft. Aber wer trifft diese Entscheidungen? Die Crowd ist es jedenfalls nicht. Wahrscheinlich ein externes Wirtschaftsprüfungsbüro. Dort sitzen zwei oder drei Leute, die eine Vorauswahl treffen. Es sind ebenso wie bei den VC nur individuelle Entscheidungsprozesse mit einer Erfolgsquote von vielleicht 25 %. Wenn das so ist, würden 75 % der gefundeten Unternehmen scheitern.

  2. Die in den öffentlichen Finanzierungsangeboten genannten  Bewertungen der Unternehmen sind ebenso intransparent. Auch an dieser Stelle haben wir es mit Individualentscheidungen zu tun.

  3. Es gibt keine Mechanismen, um die Produkte beziehungsweise Dienstleistungen der Startups durch die Crowd zu beurteilen oder zu validieren. 

Fazit: Das Crowdfunding des Marktführers ist nur eine verkleinerte Kopie von Venture Capital.


Die richtige Formel lautet: Funding + soziale Interaktion = Equity Crowdfunding. Soziale Interaktion ist genau an den drei oben genannten Stellen des Prozesses nötig. Erst wenn das gelingt, hat Equity Crowdfunding im Vergleich zu Venture Capital einen Mehrwert.


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