Samstag, 11. Mai 2013

Crowdfunding: Die Ruhe nach dem Sturm

Zwei willkürlich ausgewählte Startups, die auf seedmatch.de finanziert worden sind: 

Im Blog von lingoking gibt es seit über einem Jahr keinen Eintrag mehr, bei velastudios hat sich seit mehr als einem viertel Jahr nichts getan. Das sind Einzelfälle. Aber sie zeigen: Nach dem Ende des Crowdfunding ist das Streben nach medialer Aufmerksamkeit erstmal vorbei. Es fällt den Startups schwer, die während der Finanzierungsrunde erzeugten positiven Marketingeffekte über die Zeit zu retten. Geld ist zwar erstmal vorhanden, aber meistens fehlt noch der Marktzugang, eine geeignete Definition des Produktes oder schlicht die Logistik.



velastudios.de


Im letzten Sommer hat der amerikanische Postangestellte Tigere Chiriga eine der Schattenseiten des Crowdfunding erlebt. Auf Kickstarter war er mit seiner freischwebenden Kaffeetasse, die auf dem Tisch keine feuchten Ränder hinterlässt, sehr erfolgreich. 


Anschließend begannen die Probleme. Chiriga wurde von einer wahren Flut von Bestellungen überrollt. Sein 1-Mann-Unternehmen brauchte über Nacht nicht nur einen leistungsfähigen Hersteller, sondern auch eine ebensolche Logistik. In seiner Not beauftragte er einen Fullservice-Provider, der für seine Dienste 30 % Umsatzanteil bekam. Chiriga ist damit hoch zufrieden. Er hat jetzt eine Marketingstrategie, ein neues Premiumprodukt, zuverlässige Hersteller und weltweite Logistikkanäle. Seine zeitlichen Freiräume nutzt er für neue Produkt- und Marktentwicklungen. Das Ganze ist aus Sicht des Unternehmers aber eine Gradwanderung. Er darf seine Kontrolle über die Geschäftsprozesse nicht völlig aus der Hand geben. Verärgerte Kunden zerstören ein noch junges Geschäft schneller als vermutet. 


Full Service Post-Crowdfunding


Der Crowdfunding-Betreiber wird stets nur einen kleinen Teil der mittel- bis langfristigen Marketingstrategie ausmachen. Nach ihrem erfolgreichen Funding müssen Startups sich selbst um die Vermarktung ihrer Produkte und Leistungen kümmern. In den USA hat sich Crowdhut.net darauf spezialisiert.




Das Unternehmen integriert Ecommerce-Lösungen in die Webseiten der Startups und ermöglicht gut funktionierende Geschäftsprozesse ohne viel Aufwand. Mindestens ebenso nützlich ist der Pool von Experten auf Crowdhut:





Ein interdisziplinäres Team aus 17 Fachleuten.


Gesellschaftlicher Nutzen


Der Erfolg eines Startup hängt nicht nur von effizienten Geschäftsprozessen ab. Mindestens genauso wichtig ist der soziale Einfluss des Geschäftsmodells. Die niederländische Bank ABN-AMRO nutzt diesen Trend. Das Institut schafft eine direkte Verbindung zwischen ihrer vermögenden Privatkundschaft und Projekten mit einem hohen Social Value. Das zu diesem Zweck geschaffene Crowdfunding Vehikel ist SEEDS.nl. Nach einer viermonatigen Testphase wird die Seite momentan umgebaut. Mal sehen, wie es weitergeht. Die Pilotprojekte mit großem sozialen Einfluss waren:








Bei diesen Projekten bekommen Investoren keine Gewinnausschüttung, sondern einen Teil des Bruttoumsatzes. Das ist konsequent, weil die Bruttoerlöse so etwas wie den sozialen Marktanteil spiegeln. LEGO macht es mit seiner Co-Creation-Aktion ähnlich. Wer Erfolg haben will, muss nach dem Funding schleunigst daran arbeiten, Social Impact zu erzeugen und zu bewahren. 


Exit


Startups werden auch durch die Aussicht auf hohe Exiterlöse attraktiv. Was reizt, ist die Suche nach dem "next big thing"! Möglicherweise kommt es dabei zwischen Investoren und Unternehmern zu Kontroversen. Der Gründer von PayPal, Peter Thiel, hat das am Beispiel  FACEBOOK illustriert:


“The most important moment in my mind in the history of Facebook occurred in July 2006,” he began.At the time, Facebook was just two years old. It was a college site with roughly eight or nine million people on it. And, though it was making $30 million in revenue, it was not profitable. “And we received an acquisition offer from Yahoo for $1 billion,” Thiel said.The three-person Facebook board at the time–Zuckerberg, Thiel, and venture capitalist Jim Breyer–met on a Monday morning.“Both Breyer and myself on balance thought we probably should take the money,” recalled Thiel. “But Zuckerberg started the meeting like, ‘This is kind of a formality, just a quick board meeting, it shouldn’t take more than 10 minutes. We’re obviously not going to sell here’.”At the time, Zuckerberg was 22 years old.Thiel said he remembered saying, “We should probably talk about this. A billion dollars is a lot of money.” They hashed out the conversation. Thiel said he and Breyer pointed out: “You own 25 percent. There’s so much you could do with the money.”Thiel recalled Zuckerberg said, in a nutshell: “I don’t know what I could do with the money. I’d just start another social networking site. I kind of like the one I already have.”


Crowdfunding ist nicht nur early-stage interessant. Wenn in einer späteren Phase Investoren an Bord sind, die Kasse machen wollen, können deren Anteile durch  eine weitere Crowdfunding-Runde breit gestreut werden. Käufer sind in diesem Fall keine strategischen oder institutionellen Investoren, die Zielkonflikte auslösen, sondern es ist erneut ein Schwarm von Investoren. Beiden Seiten ist gedient. Die exitorientierten Investoren haben ihren Erlös und die Gründer entgehen monatelangen Diskussionen. In Deutschland gibt es bereits eine Plattform, die dafür bestens geeignet ist, Bergfürst. Dieser Mechanismus funktioniert sicher auch, wenn VC aussteigen wollen. Besonders spannend wird es, wenn die Kunden des Unternehmens Geld bereit stellen.



Wie können die Crowdfunding - Betreiber ihren Startups auch nach dem Ende der Finanzierungsrunde helfen?

Integration einer Community


Ein gutes Beispiel aus den USA: Crowdfunder, nach ihrem eigenem Leitbild ein globales soziales Netzwerk für Equity Crowdfunding sowie für Contribution Funding in lokalen Gemeinschaften:

Crowdfunding Success Takes A Community. Crowdfund Locally, Connect Globally.

Die Community umfasst 19256 Entrepreneure und Investoren. Außerdem gibt es Profile für 677 Unternehmen, denen man wie in anderen sozialen Netzwerken folgen kann.

Kommt es im Verhältnis zwischen Startup und Investoren zu irgendwelchen Störungen, müssen die Beteiligten einen Ort haben, an dem sie sich austauschen und diskutieren können. Das "System" Crowdfunding darf niemanden alleine lassen. In Deutschland ist leider in keiner Weise geregelt, in welchen Zeitabständen und in welcher Form das Startup den Investoren berichtet. Nicht wenige in 2012 finanzierte Unternehmen haben bereits für 2013 eine Gewinnausschüttung versprochen. Spätestens zum Jahresende wird es möglicherweise die ersten Fragen geben. Wie verhalten sich die Investoren, falls das Startup nicht kommuniziert? 


Integration eines Marktplatzes


Kürzlich ist Gamelaunched.com neu gestartet. Eine Plattform, die sehr ausgeklügelt strukturiert ist: Dort können Nutzer eine virtuelle Währung schöpfen, die Experience Points XP. Wer genug XP gesammelt hat, kauft auf dem integrierten Marktplatz   Produkte von Gamelaunched  und in Kürze auch dort finanzierte Games. Dadurch ist es Startups möglich, auch nach dem beendeten Funding auf einer hochfrequentierten Plattform die eigenen Spiele zu verkaufen und ihre Kunden mit Neuigkeiten zu versorgen. 


Pretail


Pretail bezeichnet ein Konsumverhalten, das durch Crowdfundingplattformen entsteht, die extrem auf den Nutzen der Käufer ausgerichtetet sind. Dieser neue Begriff stammt von trendwatching.com:


A mode of consumption that sees consumers treat crowdfunding platforms as the new shopping malls. Why? Because that’s where current consumer demand for the most innovative, exciting and unique products and being served best than anywhere else, by an army of entrepreneurs and start-ups.


Pretail schreit geradezu danach, Crowdfunding mit Onlineshops zu kombinieren. Trendwatching.com hat die demographische Zusammensetzung der "Presumer" statistisch untersucht:


  • 62 % sind männlich,
  • 50 % sind  zwischen 18 und 34 Jahre alt / 20 % zwischen 34 und 44,
  • fast 48 % haben einen höheren Schulabschluss,
  • 45 % verdienen mehr als $ 50.000 pro Jahr.

Also eine kauftkraftstarke und entscheidungsfreudige Zielgruppe.


Zwei prototypische Plattformen versuchen, aus Pretail ein funktionsfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln:


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The manufacturing process is just that – a process, which is why we escrow the money and release it based on the inventors ability to prove significant progress towards developing the product. This helps the inventor with budgeting and mitigating risk, all while protecting your pledge.

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Post-Crowdfunding Marktplatz



CrowdOutlet.com bietet Produkte erfolgreich gefundeter Startups an.




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